Sanovetis Markt-Insight

Fachkräftemangel bei Ärzten: Was Kliniken jetzt wissen müssen

Der ärztliche Fachkräftemangel ist längst kein einheitliches Problem. Fachrichtung, Region, Karrierestufe und Arbeitsbedingungen entscheiden darüber, wie schwierig eine Position tatsächlich zu besetzen ist. Diese Analyse zeigt, wo der Markt besonders angespannt ist – und welche Faktoren Kliniken beeinflussen können.

Datenstand: August 2026 Quellen: Bundesärztekammer, DKI, Bundesagentur für Arbeit Lesezeit: rund 12 Minuten Redaktion: Sanovetis
Management Summary

Fachkräftemangel in Kürze

Vier Befunde, die den Rest dieser Analyse tragen.

01

Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte steigt – das verfügbare Arbeitszeitvolumen wächst deutlich langsamer.

446.120 berufstätige Ärztinnen und Ärzte bedeuten 2,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig hat sich die Teilzeitquote binnen zehn Jahren von 15 auf 28 Prozent nahezu verdoppelt. Köpfe und Stunden entwickeln sich auseinander.

02

Fast ein Viertel der Ärzteschaft steht am Ende des Berufslebens.

104.270 berufstätige Ärztinnen und Ärzte sind 60 Jahre oder älter. Der Ersatzbedarf ist damit über Jahre vorhersehbar – planbar wird er nur, wenn Kliniken ihn früh genug einrechnen.

03

Kliniken melden so viele offene Arztstellen wie nie zuvor.

Im Durchschnitt 7,9 unbesetzte Stellen im ärztlichen Dienst je Krankenhaus – ein Höchststand. Der Engpass ist also nicht abstrakt, sondern in jedem Dienstplan messbar.

04

Entscheidend ist nicht die Zahl der Ärzte, sondern der erreichbare Kandidatenmarkt.

Fachrichtung, Region, Karrierestufe, Arbeitszeitmodell und Vergütung verengen den relevanten Markt mit jedem Kriterium. Genau diese Kriterien kann eine Klinik zum Teil selbst gestalten.

Der scheinbare Widerspruch

Mehr Ärzte – und trotzdem Fachkräftemangel?

Die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland steigt seit Jahren. Wer allein auf diese Kurve schaut, müsste eine Entspannung erwarten. In den Kliniken kommt sie nicht an.

Der Grund liegt in einer zweiten Entwicklung, die selten neben die erste gestellt wird: Immer mehr ärztliche Arbeit wird in Teilzeit erbracht. 2014 arbeiteten 15 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit, 2024 waren es 28 Prozent. Die Kopfzahl wächst also – das geleistete Stundenvolumen wächst deutlich langsamer.

Dazu kommt die Altersstruktur: 104.270 berufstätige Ärztinnen und Ärzte haben das 60. Lebensjahr erreicht oder überschritten. Ein erheblicher Teil davon wird die Versorgung in den nächsten Jahren verlassen. Nachbesetzung ist damit keine Ausnahmesituation, sondern Dauerzustand.

Für eine Klinik heißt das: Aus der bundesweiten Statistik lässt sich nicht ableiten, wie leicht die eigene Oberarztstelle zu besetzen ist. Die Gesamtzahl beschreibt ein Potenzial, keine Verfügbarkeit.

Kopfzahl und Teilzeitquote im Vergleich

2014 2024/25 15 % 28 % Schematische Darstellung der Entwicklungsrichtung
Berufstätige Ärztinnen und Ärzte Anteil in Teilzeit

Teilzeitquote: Bundesärztekammer, 2014 und 2024. Kopfzahl: Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31.12.2025. Die Linien zeigen die Entwicklungsrichtung beider Größen im Verhältnis zueinander, nicht identische Skalen.

Datenlage

Der ärztliche Arbeitsmarkt auf einen Blick

Sechs Kennzahlen mit Quelle, Datenstand und der Frage, was sie für eine Klinik konkret bedeuten.

446.120
berufstätige Ärztinnen und Ärzte

Ein Plus von 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für die Klinik: Das Potenzial wächst – die Verfügbarkeit für eine konkrete Stelle folgt daraus nicht.

Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31.12.2025

28 %
arbeiten in Teilzeit

2014 waren es 15 Prozent. Für die Klinik: Für dasselbe Stundenvolumen werden mehr Köpfe gebraucht – die Personalplanung muss in Vollzeitäquivalenten rechnen, nicht in Stellen.

Bundesärztekammer, Vergleich 2014 zu 2024

104.270
sind 60 Jahre oder älter

43.444 über 65, weitere 60.826 zwischen 60 und 65. Für die Klinik: Der Ersatzbedarf der kommenden Jahre ist bereits heute bekannt und damit planbar.

Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31.12.2025

7,9
offene Arztstellen je Krankenhaus

Ein Höchststand im ärztlichen Dienst. Für die Klinik: Der Wettbewerb um dieselben Kandidatinnen und Kandidaten findet zwischen Häusern statt, die alle gleichzeitig suchen.

Deutsches Krankenhausinstitut, Krankenhaus Barometer 2025 (376 befragte Häuser, Mai–Juli 2025)

rund 136 Tage
Vakanzzeit in der Humanmedizin

Gegenüber rund 95 Tagen über alle Berufe hinweg. Für die Klinik: Ärztliche Stellen brauchen strukturell länger – wer erst bei Kündigung startet, hat die Lücke bereits eingeplant.

Bundesagentur für Arbeit, Berufsgruppe Humanmedizin. Die Vakanzzeit misst die Dauer ab dem gewünschten Besetzungstermin.

39 / 29 %
stationär / ambulant tätig

Der größere Teil arbeitet in Kliniken. Für die Klinik: Der ambulante Sektor ist kein Randphänomen, sondern konkurriert um denselben Facharztjahrgang.

Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31.12.2025

Nach Fachrichtung

Fachkräftemangel ist nicht gleich Fachkräftemangel

Was eine Besetzung erschwert, unterscheidet sich fachlich erheblich. Die folgende Übersicht benennt die jeweils bestimmenden Faktoren – bewusst qualitativ, weil es für eine bundesweite Rangfolge der Fachrichtungen keine belastbare amtliche Datengrundlage gibt.

Fachrichtung Was den Markt prägt Was für Kliniken daraus folgt
Allgemeinmedizin Starke ambulante Alternative: Niederlassung und Anstellung im MVZ stehen unmittelbar als Option daneben. Die Klinik konkurriert weniger mit anderen Kliniken als mit dem ambulanten Sektor insgesamt.
Innere Medizin Große Fachgruppe, aber stark in Schwerpunkte ausdifferenziert – der relevante Markt ist der Schwerpunkt, nicht das Fachgebiet. Ein breit formuliertes Anforderungsprofil vergrößert den Markt, ein schwerpunktspezifisches verengt ihn erheblich.
Psychiatrie & Psychotherapie Wachsender Versorgungsbedarf trifft auf einen begrenzten Facharztkreis; zusätzlich ambulante Psychotherapie als Alternative. Arbeitszeitmodelle und Dienstbelastung wirken hier besonders stark auf die Erreichbarkeit von Kandidaten.
Radiologie & Nuklearmedizin Hohe Nachfrage aus Klinik und ambulanter Radiologie; Teleradiologie erweitert die Optionen der Ärztinnen und Ärzte zusätzlich. Ortsgebundenheit ist ein schwächeres Argument als früher – das Gesamtpaket entscheidet.
Gynäkologie & Geburtshilfe Dienst- und Bereitschaftsstruktur prägt die Attraktivität stark; hoher Anteil an Ärztinnen mit Teilzeitwunsch. Planbarkeit der Dienste ist oft entscheidender als eine reine Gehaltsanpassung.
Dermatologie Vergleichsweise kleine Fachgruppe mit ausgeprägter ambulanter Struktur und attraktiven Niederlassungsoptionen. Für stationäre Positionen ist der erreichbare Kreis klein – gezielte Ansprache wird zur Regel, nicht zur Ausnahme.
Onkologie & Hämatologie Ausgeprägte Spezialisierung und enge Bindung an Zentrumsstrukturen und Studienaktivität. Fachliche Perspektive und Zentrumsanbindung wiegen für Kandidaten oft schwerer als der Standort.
Neurologie Steigender Bedarf durch demografisch bedingte Krankheitslast; Stroke-Unit-Strukturen binden Personal. Vorhandene Struktur und Ausstattung sind ein eigenständiges Argument im Wettbewerb.
Kinder- & Jugendpsychiatrie Kleiner Facharztkreis bei anhaltend hohem Versorgungsbedarf. Der bundesweite Markt ist überschaubar – regionale Beschränkung wirkt hier besonders stark.

Einordnung: Die Spalten „Was den Markt prägt“ und „Was daraus folgt“ sind qualitative Einschätzungen aus der Vermittlungspraxis von Sanovetis, keine amtliche Statistik. Wir verzichten bewusst auf Ampeln oder Rangplätze, weil dafür keine belastbare bundesweite Datengrundlage je Fachrichtung existiert.

Der relevante Markt

Entscheidend ist nicht, wie viele Ärzte es gibt – sondern wie viele erreichbar sind.

Eine Klinik sucht nie „einen Arzt“. Sie sucht eine Fachärztin für Radiologie mit passender Erfahrung, auf einer bestimmten Karrierestufe, im erreichbaren Umkreis, grundsätzlich wechselbereit, mit vereinbarer Gehaltsvorstellung, einverstanden mit dem Dienstmodell – und das im richtigen Zeitfenster.

Jedes dieser Kriterien ist berechtigt. Jedes verkleinert aber den Kreis derer, für die die Stelle überhaupt in Frage kommt. Der Markt, auf den es ankommt, ist deshalb immer deutlich kleiner als die Statistik der Fachgruppe.

Wir nennen hier bewusst keine Prozentwerte. Wie stark jede Stufe den Kreis verengt, hängt von Fachrichtung, Region und Position ab und lässt sich nicht seriös verallgemeinern. Das Modell erklärt das Prinzip – die konkrete Größenordnung ergibt sich erst aus der einzelnen Vakanz.
  • Alle Ärztinnen und Ärzte der Fachrichtung
    Die Zahl, die in der Statistik steht.
  • Fachlich passend
    Schwerpunkt, Erfahrung, Zusatzbezeichnungen, Karrierestufe.
  • Regional erreichbar
    Pendelbar oder umzugsbereit – für diesen Standort.
  • Grundsätzlich wechselbereit
    Aktiv suchend oder für ein passendes Angebot offen.
  • Arbeitszeitmodell vereinbar
    Dienstbelastung, Teilzeitwunsch, Planbarkeit.
  • Rahmenbedingungen passen
    Vergütung, Verantwortung, Entwicklungsperspektive.
  • Tatsächlich erreichbarer Kandidatenmarkt
    Die Zahl, die über die Besetzung entscheidet.

Eine hohe Zahl berufstätiger Ärzte bedeutet nicht, dass es für Ihre Vakanz einen Markt gibt.

Kernaussage dieser Analyse

Ursachen im Einzelnen

Warum eine Vakanz trotz vorhandener Ärzte schwer zu besetzen sein kann

Selten liegt es an einem einzelnen Faktor. Meist wirken mehrere gleichzeitig – und verstärken sich.

01Region

Einzugsgebiet, Verkehrsanbindung und Pendelzeit bestimmen, wer die Stelle überhaupt in Betracht zieht. In dünn besiedelten Räumen ist der erreichbare Kreis strukturell kleiner.

02Fachliche Enge

Je spezifischer der geforderte Schwerpunkt, desto kleiner die Fachgruppe. Zusatzbezeichnungen können den Markt auf wenige hundert Personen bundesweit verengen.

03Karrierestufe

Oberarzt- und Leitungspositionen richten sich an einen kleinen, überwiegend gebundenen Kreis. Wer hier sucht, findet kaum aktiv suchende Kandidaten.

04Dienstbelastung

Häufigkeit und Struktur der Bereitschafts- und Rufdienste sind für viele Bewerber ein Ausschlusskriterium – noch vor der Vergütung.

05Arbeitszeitmodell

Wo Teilzeit organisatorisch nicht abbildbar ist, entfällt ein wachsender Teil des Marktes. Bei einer Teilzeitquote von 28 Prozent ist das keine Randgruppe.

06Vergütung

Nicht nur das Grundgehalt, sondern die Gesamtstruktur aus Diensten, Zulagen und Zusatzleistungen. Sie wird von Kandidaten im Vergleich bewertet, nicht absolut.

07Weiterbildung

Bei Assistenzarztstellen entscheidet die Weiterbildungsermächtigung und ihre praktische Umsetzung häufig über die Attraktivität der gesamten Position.

08Führung und Team

Struktur der Abteilung, Führungskultur und Stabilität des Teams wirken über Empfehlungen und Reputation – auch auf Kandidaten, die nie eine Anzeige gelesen haben.

09Wohnkosten und Lebensumfeld

In Ballungsräumen kann ein höheres Gehalt durch Wohnkosten neutralisiert werden. In ländlichen Regionen entscheiden Schule, Partnerarbeitsplatz und Infrastruktur.

10Prozessgeschwindigkeit

Wer auf Bewerbungen langsam reagiert, verliert Kandidaten an Häuser, die schneller entscheiden. Der Prozess selbst ist ein Wettbewerbsfaktor.

Wettbewerb

Kliniken konkurrieren längst nicht mehr nur mit anderen Kliniken.

MVZ, Praxen und ambulante Träger sprechen dieselben Fachärztinnen und Fachärzte an. Beide Systeme haben Stärken – die Frage ist, welche für die einzelne Person gerade schwerer wiegt.

Klinik

Was hier strukturell stärker ist

Fachliche Breite
Komplexe Fälle, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Zugang zu Verfahren und Ausstattung, die ambulant nicht verfügbar sind.
Weiterbildung
Die Facharztweiterbildung findet überwiegend hier statt. Für Assistenzärzte ist die Klinik oft ohne Alternative.
Karrierestufen
Ein formalisierter Weg über Facharzt, Oberarzt bis zur leitenden Position – mit klaren Zwischenschritten.
Wissenschaft
Studienbeteiligung, Lehre und Habilitation sind an klinische Strukturen gebunden.

Ambulanter Sektor

Was hier strukturell stärker ist

Planbarkeit
Sprechstundenzeiten sind kalkulierbar. Nacht- und Wochenenddienste entfallen oder sind deutlich seltener.
Teilzeit
Reduzierte Stundenmodelle lassen sich meist einfacher umsetzen als im Schicht- und Dienstbetrieb.
Autonomie
Mehr Einfluss auf Terminstruktur, Patientenkontakt und – bei Niederlassung – auf die gesamte Arbeitsorganisation.
Perspektive
Anstellung im MVZ, Teilhaberschaft oder eigene Praxis als Entwicklungsweg außerhalb der Klinikhierarchie.

Ambulant ist nicht generell attraktiver – das Gegenteil gilt ebenso wenig. Entscheidend ist die Lebensphase: Dieselbe Ärztin bewertet Dienstbelastung mit 32 Jahren anders als mit 45. Weiterführend: Klinik, MVZ oder Praxis im Vergleich.

Erwartungen

Was Ärztinnen und Ärzte von Kliniken erwarten

Nicht jede Karrierestufe bewertet einen Arbeitgeber nach denselben Kriterien. Grün hervorgehoben ist jeweils das Kriterium, das nach unserer Beobachtung am häufigsten den Ausschlag gibt.

Assistenzärzte

In Weiterbildung

WeiterbildungsqualitätRotationsplanungSupervisionDienstbelastungPlanungssicherheit

Hier entscheidet, ob die Weiterbildung tatsächlich stattfindet – nicht, ob eine Ermächtigung auf dem Papier vorliegt. Verlässliche Rotationen und erreichbare Oberärzte wiegen schwerer als eine Gehaltsdifferenz.

Fachärzte

Nach abgeschlossener Weiterbildung

Fachliche EntwicklungArbeitszeit und DiensteVergütungVerantwortungsumfangTeamstruktur

Die Phase, in der ambulante Alternativen am stärksten konkurrieren. Wer hier wechselt, wechselt oft nicht wegen des Gehalts, sondern wegen der Vereinbarkeit – häufig zeitgleich mit Familiengründung.

Oberärzte

Mit Führungsanteil

GestaltungsspielraumSpezialisierungFührungsverantwortungTeamstrukturVergütung

Ein kleiner, überwiegend gebundener Kreis. Wechselgründe sind meist inhaltlich: ein Schwerpunkt, der ausgebaut werden kann, oder Entscheidungsspielraum, den die aktuelle Struktur nicht hergibt.

Chefärzte und leitende Ärzte

Mit strategischer Verantwortung

EntscheidungsfreiheitWirtschaftliche RahmenbedingungenPersonalausstattungEntwicklungsperspektive der Abteilung

Hier zählt, ob die Abteilung gestaltbar ist: Budget, Stellenplan, Investitionsspielraum und das Verhältnis zur Geschäftsführung. Diese Suchen laufen fast ausschließlich über gezielte, diskrete Ansprache.

Einordnung: Qualitative Beobachtung aus der Vermittlungspraxis von Sanovetis. Keine repräsentative Befragung.

Regionale Dimension

Fachkräftemangel ist regional.

Bundesweite Durchschnittswerte beschreiben ein Land, nicht einen Standort. Für die Besetzung einer konkreten Stelle sind sie deshalb nur begrenzt aussagekräftig. Was tatsächlich zählt, ist der Radius, aus dem heraus jemand diese Stelle annehmen würde.

Dieser Radius ist keine Kreisfläche auf der Karte. Er folgt Verkehrsachsen, Fahrzeiten und Lebensumständen. Eine Klinik an einer ICE-Strecke hat einen anderen erreichbaren Markt als eine gleich weit entfernte Klinik ohne Anbindung. Und in derselben Region konkurrieren möglicherweise drei weitere Häuser um dieselbe Fachgruppe.

Universitätsstandorte verändern die Lage doppelt: Sie bilden aus und binden zugleich. In ihrem Umfeld ist der Kandidatenkreis größer – aber auch der Wettbewerb. Im ländlichen Raum ist beides kleiner, dafür entscheiden Wohnkosten, Schulangebot und der Arbeitsplatz des Partners oft stärker als das Gehalt.

Wir verzichten hier bewusst auf eine Deutschlandkarte mit Einfärbungen. Es existiert keine öffentlich verfügbare Statistik, die den Besetzungsdruck je Fachrichtung und Landkreis belastbar abbildet. Eine solche Karte würde eine Genauigkeit suggerieren, die die Datenlage nicht hergibt.

Sichtbarkeit

Der sichtbare Bewerbermarkt ist nur ein Teil des Marktes.

Eine Stellenanzeige erreicht zuverlässig eine Gruppe: die, die gerade sucht. Alle anderen erreicht sie nur zufällig.

Aktiv suchend

Liest Stellenportale, bewirbt sich von sich aus, ist kurzfristig verfügbar. Diese Gruppe erreicht jede Ausschreibung – und jedes konkurrierende Haus gleichzeitig.

Latent wechselbereit

Beschäftigt und nicht auf der Suche, aber für ein passendes Angebot grundsätzlich gesprächsbereit. Wird über Anzeigen nur erreicht, wenn sie zufällig ins Blickfeld geraten.

Nicht wechselbereit

Aus fachlichen, familiären oder vertraglichen Gründen gebunden. Für die aktuelle Vakanz nicht relevant – aber die Situation kann sich in zwei Jahren ändern.

Die Balken zeigen die Erreichbarkeit über eine Stellenanzeige, nicht die Größe der jeweiligen Gruppe. Zur zahlenmäßigen Verteilung dieser drei Gruppen im ärztlichen Bereich liegen uns keine belastbaren Daten vor – wir nennen deshalb keine.

Handlungsspielraum

Den Markt können Kliniken nicht verändern. Ihre Position darin schon.

Fünf Stellschrauben – und was jede davon mit dem erreichbaren Kandidatenmarkt macht.

01 Position

Zuschnitt der Stelle

Wirkung auf den Markt: Jede zusätzliche Anforderung verkleinert den Kreis. Die Frage ist selten „Wen brauchen wir idealerweise?“, sondern „Was ist zwingend, was ist wünschenswert?“. Eine Stelle, die auch für eine Fachärztin kurz nach dem Facharzt offen ist, hat einen deutlich größeren Markt als eine, die fünf Jahre Oberarzterfahrung verlangt.

02 Arbeitsmodell

Zeit und Dienste

Wirkung auf den Markt: Wo Teilzeit möglich ist, öffnet sich ein Marktsegment, das sonst vollständig entfällt – bei einer Teilzeitquote von 28 Prozent ist das der größte einzelne Hebel. Auch die Dienststruktur wirkt unmittelbar: Planbarkeit schlägt in vielen Gesprächen die Höhe der Dienstvergütung.

03 Vergütung

Gesamtpaket

Wirkung auf den Markt: Kandidaten vergleichen selten Grundgehälter, sondern Gesamtpakete inklusive Diensten, Zulagen und Zusatzleistungen. Ein vorab freigegebener Rahmen beschleunigt zudem den Prozess erheblich – ein Gehaltsband, das erst nach drei Gesprächen geklärt wird, kostet Kandidaten. Weiterführend: Gehaltserwartungen von Ärzten.

04 Standort

Erreichbarkeit

Wirkung auf den Markt: Den Standort kann niemand verlegen – seine Darstellung schon. Konkrete Angaben zu Fahrzeiten, Anbindung, Wohnsituation, Kinderbetreuung und Partnerarbeitsmarkt beantworten Fragen, die sonst zur stillen Absage führen.

05 Prozess

Geschwindigkeit und Verbindlichkeit

Wirkung auf den Markt: Der am häufigsten unterschätzte Faktor. Wenn eine Rückmeldung Wochen dauert, entscheidet sich die Kandidatin für das Haus, das schneller war – unabhängig davon, welche Stelle objektiv besser passt. Weiterführend: Besetzungsdauer ärztlicher Positionen.

Vor dem Suchstart

Fünf Fragen vor Beginn einer Arztsuche

Wer diese fünf Fragen vor der Ausschreibung beantwortet, verkürzt die Besetzung – oder erkennt früh, dass die Erwartung korrigiert werden muss.

01

Wie groß ist der Kandidatenmarkt für diese Fachrichtung und Position tatsächlich?

Nicht die Fachgruppe insgesamt, sondern der Kreis, der Schwerpunkt, Karrierestufe und Standort zusammen erfüllt.

02

Welcher geografische Radius ist realistisch?

Gemessen in Fahrzeit, nicht in Kilometern – und mit der Frage, ob ein Umzug für diese Position realistisch verlangt werden kann.

03

Welche Anforderungen sind zwingend, welche verhandelbar?

Diese Unterscheidung vor der Ausschreibung zu treffen, spart später Wochen – und erspart Absagen an Kandidaten, die geeignet gewesen wären.

04

Ist das Gesamtpaket gegenüber konkurrierenden Arbeitgebern attraktiv?

Verglichen wird nicht mit dem eigenen Vorjahr, sondern mit den Häusern und ambulanten Trägern, die dieselbe Fachgruppe ansprechen.

05

Erreichen wir auch Ärztinnen und Ärzte, die aktuell nicht aktiv suchen?

Bei Oberarzt- und Leitungspositionen ist das meist die einzige Gruppe, in der die Besetzung überhaupt stattfinden kann.

Konsequenzen

Was bedeutet das für Kliniken?

Fünf Ableitungen aus der Analyse – keine allgemeinen Personaltipps.

01

In Stunden rechnen, nicht in Stellen

Bei 28 Prozent Teilzeit deckt eine besetzte Stelle nicht mehr zwangsläufig eine Vollzeitkraft ab. Der Bedarf muss in Vollzeitäquivalenten geplant werden.

02

Altersabgänge vorziehen

Wer 60-plus im eigenen Haus kennt, kennt seinen Ersatzbedarf für die nächsten fünf Jahre. Diese Information liegt vor – sie muss nur genutzt werden.

03

Fachrichtungen unterschiedlich behandeln

Ein einheitlicher Recruiting-Prozess für alle Abteilungen ignoriert, dass sich die Märkte fachlich fundamental unterscheiden.

04

Die Position vorher am Markt spiegeln

Bevor ausgeschrieben wird, sollte klar sein, wie groß der erreichbare Kreis ist. Sonst läuft eine Anzeige monatelang gegen eine Wand.

05

Prozessdauer als Wettbewerbsfaktor behandeln

Bei rund 136 Tagen Vakanzzeit in der Humanmedizin entscheidet Geschwindigkeit mit darüber, wer besetzt und wer weitersucht.

Transparenz

Datengrundlage dieser Analyse

Diese Analyse verbindet zwei Ebenen, die wir konsequent getrennt ausweisen: öffentlich verfügbare Statistik und Beobachtungen aus der täglichen ärztlichen Vermittlung.

Amtliche Statistik beschreibt, wie der Markt insgesamt aussieht. Sie sagt nichts darüber, wie ein konkretes Besetzungsverfahren verläuft. Unsere Vermittlungspraxis zeigt das – ist aber keine repräsentative Erhebung und wird deshalb nie als Statistik dargestellt.

Sanovetis ist kein Forschungsinstitut. Wo wir Zahlen nennen, stammen sie von Institutionen, die dafür zuständig sind. Wo wir eigene Einschätzungen geben, steht das ausdrücklich dabei. Wo uns eine belastbare Grundlage fehlt – etwa für eine Rangfolge der Fachrichtungen oder eine regionale Karte – nennen wir keine Zahl, auch wenn eine Schätzung plausibel wäre.

  • Bundesärztekammer – Ärztestatistik zum 31.12.2025Berufstätige Ärztinnen und Ärzte, Altersstruktur, Tätigkeitsbereiche, Teilzeitentwicklungamtlich
  • Deutsches Krankenhausinstitut – Krankenhaus Barometer 2025Offene Stellen im ärztlichen Dienst; 376 befragte Krankenhäuser, Erhebung Mai bis Juli 2025Institut
  • Bundesagentur für Arbeit – Arbeitsmarktstatistik und EngpassanalyseVakanzzeiten der Berufsgruppe Humanmedizin im Vergleich zum Durchschnitt aller Berufeamtlich
  • Kassenärztliche BundesvereinigungVersorgungsdaten und Struktur des ambulanten Sektorsamtlich
  • Statistisches BundesamtBevölkerungs- und Krankenhausstatistik als Bezugsgrößenamtlich
  • Sanovetis-MarktbeobachtungQualitative Einschätzungen zu Fachrichtungen, Wechselmotiven und Erwartungen nach Karrierestufe – kenntlich gemacht, nicht repräsentativeigen

Wie realistisch ist Ihre Vakanz im aktuellen Bewerbermarkt?

Fachrichtung, Standort, Karrierestufe und Rahmenbedingungen bestimmen, wie groß der tatsächlich erreichbare Kandidatenmarkt ist. Wir geben Ihnen eine realistische Einschätzung Ihrer Vakanz und der aktuellen Marktsituation – bevor über ein Vorgehen gesprochen wird.